Mehr als ein Dach überm Kopf

Oberbergische Volkszeitung vom 03.12.2014 (von Arnd Gaudich)
Eine „Gesellschaft des Willkommens“ will die Gemeinde Reichshof für Flüchtlinge aufbauen. Wie das funktionieren kann, haben am Dienstagabend rund 70 Bürger, Vertreter von Kirchen und Hilfsorganisationen an einem Runden Tisch im Denklinger Rathaus überlegt. Und dafür ist es auch höchste Zeit: Momentan beherbergt die Gemeinde rund 100 Flüchtlinge – für das kommende Jahr rechnet die Verwaltung mit der doppelten Zahl an Asylsuchenden.

Bild: Über die Hilfe von Gemeindemitarbeiter Stefan Langenohl (r.) freuen sich Flüchtlinge in Volkenrath. (Foto: Krempin)

Im Rathaus kann man den Menschen aus Kriegsgebieten und anderen Verfolgten nur das Notwendigste bieten, also ein Dach über dem Kopf und etwas Geld. Doch selbst an Wohnungen könnte es angesichts der erwarteten Neuankömmlinge bald fehlen.

Doppelt so viele Flüchtlinge erwartet
Kämmerer Gerd Dresbach: „Bislang konnten wir unser Konzept der dezentralen Unterbringung durchhalten.“ Damit’s so bleibt, wolle die Gemeinde nun einen Vorrat an Wohnungen schaffen. Dresbach appellierte an die Bürger, die Ohren nach Vermietern offenzuhalten. Dass die pünktlich ihre Miete erhalten, sei keine Frage. Doch mit einem Dach über dem Kopf sei es nicht getan, sagte die SPD-Ortsvereinsvorsitzende Susanne Maaß. Deswegen hatte die SPD zum Runden Tisch eingeladen, um den Flüchtlingen persönliche Betreuung und Sprachkurse zu bieten, sie in die Gesellschaft zu integrieren anstatt alleine in ihren Unterkünften sitzen zu lassen.

Äußerst wünschenswert fand das Theresia Mittler von der Waldbröler Tafel. In der auch für Reichshof zuständigen Essensausgabe liefen seit Wochen vermehrt Asylsuchende auf, berichtete Mittler. Mit vielen sei keine Kommunikation möglich, weil sie weder Englisch noch Französisch beherrschten. Und einige vermutlich muslimische Männer wollten den Anweisungen der weiblichen Mitarbeiter nicht Folge leisten. Ein Patenschaftsmodell, wie es auch schon in Engelskirchen praktiziert wird, könnte das ändern.

Maaß’ Idee ist es, für jede Flüchtlingsunterkunft ein bis zwei ehrenamtliche Betreuer zu gewinnen. Sie sollen die Flüchtlinge etwa bei Behördengängen oder Arztbesuchen begleiten. Omar Sabalbal von der Flüchtlingsberatungsstelle des Kirchenkreises An der Agger wies darauf hin, dass viele Flüchtlinge traumatisiert nach Deutschland kommen. Caritas-Direktor Peter Rothausen stellte in Aussicht, dass Paten in seinem Hause auf ihre Aufgabe vorbereitet werden könnten. Die Reichshofer Standortlotsin Heike Prößler bot an, die Vermittlung von Paten an Flüchtlinge zu übernehmen.

Prößler wird einem Organisationsteam um Maaß angehören, das die weiteren Projekte planen wird. Das Team trifft sich bereits am 16. Dezember. Zu den dringendsten Problemen des Teams gehört die Organisation von Lagerraum für Sachspenden. Bis der gefunden ist, sollen bereits Möbel, Wäsche und andere Güter bedarfsgerecht verteilt werden: Maaß will erfassen, wer was hat und wer was braucht. Kurzfristig sollen zudem Arbeitsgruppen aufgebaut werden, beispielsweise für den Aufbau von Sprachkursen. Für April oder Mai will Maaß ein interkulturelles Fest organisieren, für Alt- und Neu-Reichshofer.

Die ersten Bürger boten am Dienstag ihre Hilfe an. Weitere sind gesucht.

Die Flüchtlingshilfe Reichshof bittet Oberberger, die Geld oder Sachgüter spenden oder als Pate, Sprachlehrer oder Handwerker helfen wollen, sich bei Susanne Maaß zu melden unter: 0179 4991599, per E-Mail: info@fluechtlingshilfe-reichshof.de oder über die Facebook-Gruppe.


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